Wissenswert

US-Dollar Schwäche und Profiteure

Was ein fallender Dollar für US-Konzerne, Europa und dein Portfolio bedeutet.

Krystian Bielawa
Krystian Bielawa
Aktien & ETFs · Juli 2026
# US Dollar# Kapitalmärkte# Momentaufnahme# Wechselkurs
Digitale Wirtschaft

Grundsätzliche Einordnung

Dieser Artikel bleibt bewusst eine Momentaufnahme von Mitte 2025 und dokumentiert einen damaligen Gedankengang: Unter den damaligen Bedingungen war eine anhaltende Dollar-Schwäche eine plausible Schlussfolgerung. Sie ist so nicht linear eingetreten, vor allem, weil geopolitische Spannungen den Dollar 2026 wieder als „sicheren Hafen" gestützt haben. Deshalb bleibt der Bestandstext stehen, und es kommt nur ein neuer Rückblick-Kasten am Ende hinzu (siehe unten, blau). So bleibt der Artikel abgeschlossen und muss nicht laufend gepflegt werden.

//Warum die USA auf einen schwächeren Dollar setzen

Seit Trumps Amtsantritt 2025 deutet nun einiges auf eine strategische Schwächung des US-Dollars hin. Warum? Ziel des weißen Hauses ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaft zu steigern. Ein schwächerer Dollar macht US-Produkte im Ausland günstiger, das belebt die Exporte und stärkt zu dem die heimische Industrie. Für Anleger wie für die globalen Märkte insgesamt hätte das potenziell weitreichende Folgen.

1. Doppelschuldendefizit

  • In den USA liegt derzeit ein sogenanntes „Twin Deficit“ vor, also ein gleichzeitig hohes Haushaltsdefizit und ein hohes Leistungsbilanzdefizit. Historisch gelten diese Konstellationen eher als Belastung für die Währung. Der US-Dollar gab im ersten Halbjahr 2025 um mehr als 10 % gegenüber zentralen Leitwährungen wie dem Euro nach. Ein solcher Rückgang wird vielfach als Ausdruck eines schwindenden Vertrauens in die wirtschaftliche Stabilität der USA gewertet. Es war der schwächste Jahresauftakt des US-Dollars seit mehr als 50 Jahren.

2. Schuldenabbau mittels Inflation

  • Die US-Staatsschulden belaufen sich inzwischen auf rund 36 Billionen US-Dollar. Eine recht moderate Inflation, ausgelöst durch eine verhältnismäßig lockere Geldpolitik und einen schwächeren Dollar, wie wir es gerade beobachten dürfen. Dieses Zusammenspiel kann eine Art „stille Entschuldung“ bewirken. Real entwertet eine Inflation die bestehende Schuldenlast, sofern nominale Zinssätze niedrig bleiben. Dieses Vorgehen erinnert dabei an die Nachkriegsjahre, als Schulden durch gezielte Preissteigerungen relativ zur Wirtschaftsleistung reduziert wurden.

Steigende Inflation erhöht den Druck auf die Anleihemärkte. Investoren verlangen höhere Renditen und das verteuert die zukünftige Staatsfinanzierung.

Politische Unsicherheit, etwa durch Trumps erratischer Zollpolitik gegenüber Europa, schwächt das Vertrauen internationaler Anleger in den Dollar.

Zunehmende geopolitische Spannungen und ein schwindendes Vertrauen in die fiskalische Stabilität der USA führen dazu, dass Investoren ihre Dollar-Allokation überdenken.

Aktienkultur USA vs. Europa

– und der Effekt eines schwachen US-Dollars

Zwischen US-amerikanischen und europäischen Anlegern unterscheiden sich die Auswirkungen eines schwachen US-Dollars deutlich, vor allem aber wegen der unterschiedlichen Aktienkultur beider Regionen.

Angesichts der hohen Aktienbeteiligung in der US-Bevölkerung zeigen sich Veränderungen an den Kapital- und Devisenmärkten direkt im privaten Vermögen vieler Haushalte. Laut aktuellen Gallup-Daten besitzen rund 62 % der US-Amerikaner Aktien – sei es direkt, über Fonds, Pensionspläne oder als Teil ihrer Vergütung.

Schwacher Dollar = höhere Auslandsumsätze

US-Konzerne wie Apple, Coca-Cola oder Boeing erzielen große Teile ihrer Umsätze im Ausland. Ein schwächerer Dollar sorgt eben jetzt dafür, dass Umsätze die in Dollar umgerechnet werden, dann höher ausfallen.

Ein Beispiel:

Ein Produktverkauf für 100 € ergibt bei einem Kurs von 1,10 USD/EUR einen Umsatz von $110. Wenn du aber nun für 100 € statt 1,10 jetzt 1,20 USD bekommst, steigt wiederum auch dein Umsatz in Dollar, nämlich von 110 $ auf  120 $ und das obwohl sich am Absatz nichts ändert.

Folge:

Die Unternehmensgewinne in Dollar steigen (unter sonst gleichen Bedingungen), was die Aktienkurse exportstarker US-Firmen jetzt eben stützt. Die nun sehr breite Anlegerbasis in der USA profitiert folglich mittelbar von Kursgewinnen und steigenden Dividenden. Ein klassischer „Vermögenseffekt“ entsteht.

Auch wenn der S&P 500 gerade neue Allzeithochs erreicht, spüren wir Europäer davon nur begrenzt etwas in unseren Portfolios. Der Grund liegt natürlich im schwachen US-Dollar: Viele von uns investieren nämlich in US-Aktien auf Dollarbasis. Wenn der Dollar gegenüber dem Euro an Wert verliert, reduziert das den Gewinn, den wir in unserer Heimatwährung sehen. Für US-Anleger hingegen ist der Effekt deutlich positiver, da sie sowohl von den Kursgewinnen am Aktienmarkt als auch von der stabilen Währung profitieren.

Auswirkungen eines schwachen US-Dollars

USA: Schuldenabbau und die Teuerungsfalle

Ein Dollarverfall hat natürlich auch weitreichende Konsequenzen, sowohl in den USA selbst als auch international. Insbesondere für Europa als wichtigen Handelspartner ist die schwache Währung unangenehm. Schauen wir zuerst auf die USA:

  • Ein schwächerer Dollar kann der US-Regierung kurzfristig dabei helfen, die hohe Staatsverschuldung (über 120 % des BIP) real zu reduzieren.

  • Inflation erhöht nominal das BIP, während die Schulden nominal konstant bleiben.

  • Eine dauerhaft hohe Inflation könnte die Zinsen weiter treiben, das Vertrauen in US-Anleihen enorm erschüttern und eine massive Kapitalflucht auslösen.

Im Mai 2025 stufte Moody's das Kreditrating der USA von Aaa auf Aa1 herab und war damit die letzte der drei großen Ratingagenturen, die den USA das Spitzenrating entzog. Investoren zweifeln zunehmend an der fiskalischen Stabilität des Landes.

USA: Aktienmärkte und Kapitalflüsse

Exportstarke US-Unternehmen profitieren zunächst von einem schwachen Dollar, da Auslandsumsätze in Dollar gerechnet steigen.

  • Tech-, Pharma- und Konsumgüterkonzerne mit globaler Präsenz meldeten im ersten Halbjahr 2025 steigende Gewinne.

  • US-Aktienmärkte legten in Teilen zu, insbesondere exportorientierte Sektoren.

  • Im April 2025 fielen sowohl Dollar als auch Aktien, ausgelöst durch Zolldrohungen und Haushaltsstreitigkeiten.

  • Der Dollar verliert seine Rolle als „sicherer Hafen“.

  • Kapitalabflüsse drohen, was langfristig die Refinanzierung der US-Wirtschaft verteuern könnte.

Die USA setzen taktisch auf einen schwächeren Dollar, um Schulden zu entwerten und Exporte zu stützen. Das Vertrauen der Märkte ist jedoch brüchig geworden und die Risiken für Inflation und Kapitalabflüsse sind dabei gleichermaßen real.

Europa: Zwischen Entlastung und Belastung

Ein schwacher Dollar führt automatisch zu einem stärkeren Euro. Zum einen werden Importe für den Euroraum günstiger, was die Inflation dämpfen kann. Zum anderen belastet der stärkere Euro die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Exporte, da europäische Produkte auf dem Weltmarkt einfach teurer werden. Was für Verbraucher kurzfristig positiv ist, kann für exportorientierte Unternehmen nun zur Herausforderung werden und sich folglich in der Wirtschaftsleistung Europas widerspiegeln.

Die EZB steht unter Zugzwang: Einerseits freut man sich über nachlassende Inflation, andererseits warnt man vor einem zu starken Euro, der die Wirtschaft lähmen könnte.

  • Importierte Rohstoffe, insbesondere Energie, werden günstiger.

  • Die Inflation im Euroraum wird gedämpft und das stärkt die Kaufkraft für Verbraucher. Man gibt wieder mehr Geld aus.

  • Exportgüter aus Europa (Maschinen, Autos, Pharma) verteuern sich in den USA.

  • Das belastet die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Exporteure, besonders in Ländern wie Deutschland, Irland oder Italien.

Kapitalmärkte: Europa als potenzieller Profiteur?

Ein dauerhaft schwacher Dollar könnte die globalen Kapitalströme verändern. Wenn der Dollar an Attraktivität verliert, rücken andere Regionen stärker in den Fokus, auch Europa. Ein stabiler Euro, niedrigere Importkosten und ein attraktives Zinsumfeld führen zwangsläufig dazu, dass Investoren vermehrt europäische Anlagen ins Auge fassen. Ein zunehmender Kapitalabfluss könnte zugleich auch den Druck auf Vermögenspreise, wie etwa Immobilen, in den USA verstärken. Für Europa ergibt sich eine Chance, sich mitunter als stabiler Anlagehafen zu positionieren, vorausgesetzt, die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben weiter stabil.

  • US-Investoren suchen Alternativen zu überbewerteten US-Märkten.

  • Europäische Aktienmärkte erhielten 2024/25 teils spürbare Zuflüsse.

  • Ein stärkerer Euro plus sinkende US-Renditen machen Euro-Anlagen attraktiver.

  • Europa muss in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht Stabilität vermitteln.

  • Der Franken und der Yen gelten aktuell ebenfalls als Zufluchtswährungen.

  • Die Entwicklung des Euro spiegelt nicht allein wirtschaftliche Fundamentaldaten wider, sondern auch das internationale Vertrauen in Europas Stabilität.

Kurzfristig genießt Europa den Effekt eines schwächeren Dollars, ganz besonders eben durch günstigere Importe (insb. Energie) und die nachlassende Inflation. Mittelfristig jedoch wiegt die Gefahr für die Exportindustrie schwer. Sollte die Dollar-Schwäche anhalten, dürfte der Druck auf die EZB wachsen, dem mit lockererer Geldpolitik entgegenzuwirken, um den Euro nicht zu stark werden zu lassen. Europa steht somit in einem Spannungsfeld zwischen der Entlastung bei der Inflation und der Belastung der Wettbewerbsfähigkeit.

Ausblick: Wie lange könnte die Schwächephase dauern?

Dollar-Schwäche – kurzfristig oder eine Trendwende?

Die derzeitige Abwertung des US-Dollars wirft für Anleger eben nun die zentrale Frage auf: Handelt es sich nun um eine temporäre Schwächephase oder um den Beginn eines längerfristigen Abwärtstrends? Nun ja, so einfach lässt sich das nicht sagen. Es gibt jedoch Indikatoren und Hinweise auf einen Trend, der möglicherweise länger anhalten könnte. Dazu sollten wir ein paar Punkte beleuchten.

Historischer Kontext: Dollarzyklen laufen in Wellen

Währungsmärkte bewegen sich typischerweise in mehrjährigen Zyklen. Der US-Dollar durchlief von 2011 bis Ende 2024 einen ausgeprägten Bullen Zyklus, mit einer Aufwertung von rund 40 % auf handelsgewichteter Basis.

Ein derart langer Aufwärtstrend legt den Boden für eine zyklische Gegenbewegung - so die Theorie.

Aktuelle Entwicklung: Anzeichen einer Trendwende

Der US-Dollar hat seit Jahresbeginn 2025 über 10 % an Wert verloren und damit den schlechteste Jahresstart seit einem halben Jahrhundert hingelegt.

Erstmals zeichnet sich nun ein Abbau der langjährigen Überbewertung des Dollars ab. Mittelfristig erwarten Investmenthäuser wie J.P. Morgan eine fortschreitende Abwertung um 10 bis 20 % gegenüber zentralen Leitwährungen wie dem Euro und dem japanischen Yen, hin zu einem aus ihrer Sicht faireren Bewertungsniveau. Wichtig zu betonen: Die Analysten sehen keinen Einbruch des Dollars in Gänze, viel mehr eine einfache Korrktur.

Auch kurzfristig halte ich es für möglich, dass sich der EUR/USD-Kurs recht zügig in Richtung 1,25 bis 1,30 bewegt, wobei solche Kurse naturgemäß schwanken und nicht in einer geraden Linie entstehen.

Entscheidender ist für mich die langfristige Entwicklung. Die „Long-Term Capital Market Assumptions" von J.P. Morgan (Stand 2025) gehen davon aus, dass der EUR/USD-Kurs über einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren auf rund 1,29 steigt und der USD/JPY-Kurs auf 114 fällt. Wichtig zu erwäh
nen ist, dass diese Annahme keine genaue Prognose für ein bestimmtes Jahr darstellt. Es geht hier lediglich um eine Richtungsannahme. Sie beschreibt, dass der Dollar seine langjährige Überbewertung tendenziell abbaut, nicht etwa, dass er zu einem Stichtag exakt bei diesen Werten steht.

Die langfristigen Kapitalmarktprognosen von J.P. Morgan für das Jahr 2025 gehen im übrigen auch davon aus, dass sich der EUR/USD-Kurs über einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren auf 1,29 erhöht, während der USD/JPY-Kurs dann auf 114 sinkt.

Quelle: J.P. Morgan Private Bank, "Is this the downfall of the U.S. dollar?", 25. April 2025, basierend auf den J.P. Morgan Asset Management 2025 Long-Term Capital Market Assumptions.

Entwicklung des realen effektiven Wechselkurses des US-Dollars seit 1984.

Der unten stehende Chart zeigt, wie stark der reale effektive Wechselkurs (REER) des US-Dollars im Zeitverlauf vom historischen Durchschnitt abweicht – also, ob der Dollar im Vergleich zu seiner „normalen“ Kaufkraft über- oder unterbewertet ist. Dabei wird die Abweichung jeweils über Zeiträume von 10, 15 und 20 Jahren hinweg betrachtet – im Zeitraum von 1984 bis 2025. So lässt sich erkennen, wie sich langfristige Bewertungsmuster entwickelt haben.

Liegt die Linie über null, gilt der Dollar als überbewertet: Er ist stärker als im langjährigen Mittel. Liegt sie darunter, ist er unterbewertet. Eine Überbewertung bedeutet, dass US-Waren im Ausland teurer und Importe für die USA günstiger werden – bei Unterbewertung ist es umgekehrt.

Aktuell zeigt sich jedoch, dass der US-Dollar im historischen Vergleich deutlich überbewertet ist. Diese Überbewertung wiederum, kann Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaft, den internationalen Handel und der Gewichtung in Anlegerportfolios haben.

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  • 1980er-Jahre: Beginnend mit einer Überbewertung von etwa +20 % (1984), erreicht der Dollar 1985 seinen Höhepunkt mit +30 %, bevor er bis 1987 stark abwertet.

  • 1990er-Jahre: In den Jahren 1988 bis 1996 pendelt der REER deutlich unter dem historischen Durchschnitt (etwa -10 %).

  • Frühe 2000er: Alle drei Vergleichszeiträume zeigen einen deutlichen Anstieg auf fast +20 %.

  • 2008–2014: Die Abweichung fällt wieder in den negativen Bereich – Zeichen einer relativen Dollar-Schwäche.

  • Ab 2015: Es folgt ein erneuter, kontinuierlicher Anstieg. Bis 2025 zeigt sich nun eine moderate Überbewertung:

+8 % gegenüber dem 10-Jahres-Durchschnitt
+15 % gegenüber dem 15-Jahres-Durchschnitt
+17 % gegenüber dem 20-Jahres-Durchschnitt

Die FED als wichtiger Anker

Die Fed hält sich derzeit mit klaren Zinssignalen zurück und verfolgt dabei eine abwartende Haltung. Ein erster Zinsschnitt im September 2025 erscheint möglich, hängt aber stark von der weiteren Konjunktur- und Inflationsentwicklung ab.

Die Kerninflation liegt stabil bei 2,7–2,9 %, aber einen Tick über dem Ziel. Das spricht für länger hohe Zinsen, es sei denn, die Wirtschaft schwächt sich spürbar ab. In beiden Fällen lastet aber weiter Druck auf dem US-Dollar, entweder durch sinkende Zinsen oder durch Rezessionsängste.

Hinzu kommt noch, dass die politische Einflussnahme auf die Fed, insbesondere durch Donald Trump (Stichwort: Schatten-Notenbank-Chef), immer mehr Zweifel an der Unabhängigkeit und Souveränität schürrt und das belastet dann auch weiter das Vertrauen in die US-Währung.

Resümee

Pro – Argumente für eine anhaltende Dollar-Schwäche

  • Zinsperspektive: Die US-Notenbank signalisiert sinkenden Zinsspielraum; erste Zinssenkungen ab Herbst 2025 möglich.

  • Strukturelle Defizite: Doppeltes Defizit (Haushalt & Leistungsbilanz) schwächt die fundamentale Dollar-Basis.

  • Politisches Risiko: Angriffe auf die Unabhängigkeit der Fed durch Trump, untergraben das Vertrauen in die US-Geldpolitik.

  • Historischer Zyklus: Nach über einem Jahrzehnt Dollar-Stärke ist eine mehrjährige Korrektur historisch plausibel.

  • Kapitalumschichtung: Andere Währungsräume, wie etwa Europa, könnten als Anlageziel attraktiver werden.

Contra – Was gegen eine zu starke oder langfristige Dollar-Schwäche spricht

  • Marktverhalten: Wechselkurse korrigieren selten linear – Zwischenrallys und Gegenbewegungen sind wahrscheinlich.

  • Fed-Intervention: Eine zu schnelle Abwertung könnte geldpolitisches Eingreifen auslösen.

  • Sicherer Hafen: In einem globalen Abschwung könnte der Dollar erneut stark gefragt sein.

  • US-Aktien-Stärke: Globale Investoren bleiben in US-Märkte engagiert und das stützt indirekt den Dollar.

Rückblickend

Einordnung im Nachhinein — Stand August 2026

Was wurde aus der These? Diese Analyse entstand Mitte 2025 und ging von einer sich fortsetzenden Dollar-Schwäche aus. Kurzfristig schien sich das zu bestätigen: Bis Januar 2026 fiel der US-Dollar-Index auf ein Vierjahrestief von rund 95,5. Danach drehte sich das Bild jedoch.

Der Dollar hat sich 2026 stabilisiert und teils erholt.

Bis Ende Juli 2026 notiert der Dollar-Index wieder bei rund 101 und liegt über die letzten zwölf Monate sogar leicht im Plus. Auslöser waren steigende Ölpreise und geopolitische Spannungen, die den Dollar erneut als „sicheren Hafen" gefragt machten, also genau der Effekt, den die Contra-Seite dieser Analyse bereits benannt hatte.

Auch die Zinserwartung hat sich geändert.

Die Fed hatte den Leitzins zwar wie erwartet gesenkt (auf aktuell 3,50–3,75 %), hat die Tür für eine erneute Anhebung im späteren Jahresverlauf aber wieder geöffnet, weil die Inflation erneut anzieht. Die Notenbank hob ihre PCE-Inflationserwartung, von 2,7 % auf 3,6 %, für 2026 demnach weiter an.


Fazit des Rückblicks:

Die damalige Grundüberlegung war mit einem überbewerteten Dollar, dem Doppeldefizit sowie der Aussicht auf Zinssenkungen ökonomisch zunächst schlüssig, was sie übergeordnet auch weiter ist. Dass sie sich nicht linear fortsetzte, lag weniger an einer Fehleinschätzung als an externen Faktoren wie den steigenden Energiepreisen und geopolitischer Unsicherheit, insbesondere durch den Konflikt im Nahen Osten .Die eigentliche Erkenntnis besteht darin, dass selbst die schlüssigste Makro-Analyse gegen exogene Schocks nicht gefeit ist. Der übergeordnete Trend, im Sinne eines strukturellen Abbaus der Dollar-Überbewertung (siehe J.P. Morgan) bleibt weiter intakt, auch wenn der Weg dorthin wie so oft an den Märkten alles andere als geradlinig verläuft.