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Zinsen hoch oder doch Zinsen runter? Abseits der geopolitischen Lage rund um den Iran dreht sich an den Märkten aktuell fast alles um die Frage, wo das Zinsniveau zum Jahresende stehen wird. Die Richtung geben vor allem die Inflationsdaten vor, die wir im Übrigen am Freitag für den US Raum bekommen - also ein wichtiger Termin. Da die US-Börsen wegen des Labor Days heute geschlossen bleiben, dürfte es an der Wall Street deshalb eher ruhig bleiben. Neben den US-Erzeugerpreisen und dem EZB-Zinsentscheid am Donnerstag dürften die Ergebnisse von Oracle und Adobe für Spannung sorgen
📉 Marktüberblick (Vorwoche)
🔹 S&P 500: -0,2 %
🔹 Nasdaq: nahezu unverändert
🔹 Dow Jones: -0,4 %
🔹 DAX: +0,4 %
🔸 Gold: +1,8 %
🪙 Silber: 2,6 %
🛢️ Öl: leichter Anstieg
Der verhältnismäßig starke Arbeitsmarktbericht dämpfte am Freitag nun doch ein stück weit die Hoffnung auf sinkende Zinsen. Die US-Indizes reagierten dennoch kaum und schlossen den Handel nahezu unverändert. Bemerkenswert war vor allem, wie verhalten die Märkte damit umgegangen sind, denn an der Wall Street setzt man offensichtlich verstärkt darauf, dass dauerhaft hohe Zinsen politisch schlicht nicht durchzuhalten sind.
⛽️ Druck auf die Zinsen und die Folgen der hohen Dieselpreise
Angesichts der steigenden Ölpreise liegt der US-Dieselpreis inzwischen wieder auf dem Niveau vom Sommer 2022. Die Ursachen liegen demnach aber klar auf der Angebotsseite. Der Konflikt im Nahen Osten belastet die Ausfuhr wichtiger raffinierter Produkte aus der Golfregion. Gleichzeitig haben Angriffe auf Raffinerien in Osteuropa wichtige Kapazitäten stark eingeschränkt. Da auch die US-Destillatbestände, sprich die Vorräte an Diesel und Heizöl, für diese Jahreszeit historisch niedrig sind und die Heizsaison bevorsteht, bleibt der Markt stark angespannt.
Höhere Dieselpreise verteuern über Treibstoffzuschläge unmittelbar den Transport und dringen schrittweise in die Lieferketten durch. Besagte Preiserhöhungen schlagen allerdings erst mit einer Zeitverzögerung von einigen Wochen bis Monaten auf die Verbraucherpreise durch. Das will man in Washington so kurz vor den Midterm-Elections im November aber weitestgehend abdämpfen, insbesondere weil die direkt spürbaren Kosten an der Zapfsäule pures Gift für die Stimmung der Wähler sind. Ich meine, der Schaden ist so oder so bereits angerichtet, denkt ihr nicht?
🏦 Warsh, Preisstabilität um jeden Preis?
Am Freitag kamen die US-Arbeitsmarktdaten für August und die fielen deutlich stärker aus als erwartet. Mit rund 162.000 neu geschaffenen Stellen lag das Ergebnis weit über den prognostizierten 55.000. Viel wichtiger für den weiteren Zinskurs werden nun die Daten zu den Erzeuger- und Verbraucherpreisen.
→ An dieser Stelle ein kurzer Exkurs zum Unterschied zwischen EZB und der Fed. Die Europäische Zentralbank folgt einem hierarchischen Mandat. Laut EU-Vertrag hat die Preisstabilität Vorrang. Droht die Inflation mittelfristig über der Zwei-Prozent-Marke zu bleiben, muss die EZB gegensteuern, auch wenn höhere Zinsen die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt belasten. Einen Automatismus gibt es allerdings nicht. Wie stark die EZB am Ende durchgreift, hängt maßgeblich vom Inflationsausblick und den Ursachen des Preisanstiegs ab. Die wirtschaftspolitischen Ziele der EU darf die Notenbank nämlich nur begleiten, solange die Preisstabilität garantiert bleibt.
Die Federal Reserve hingegen hat ein duales Mandat. Sie soll für maximale Beschäftigung und stabile Preise sorgen. Beide Ziele sind gleichrangig. Das Problem für die Fed ist dabei immer, die Balance richtig einzuschätzen und aufrechtzuerhalten, denn höhere Zinsen können zwar die Inflation ausbremsen, zugleich schwächen sie aber auch den Arbeitsmarkt.
Kevin Warsh hat die Bekämpfung der Inflation dennoch zum Schwerpunkt seiner Amtszeit erklärt. In Jackson Hole machte er klar, dass das Zwei-Prozent-Ziel für ihn nicht "verhandelbar" sei. Die Notenbank muss für stabile Preise sorgen, selbst wenn der Arbeitsmarkt darunter leide. Also, wo setzt man jetzt richtigerweise an? Die Teuerung liegt bereits seit etwa fünf Jahren über dem Zwei-Prozent-Ziel. Warsh hat die Preisstabilität demnach klar in den Mittelpunkt gestellt und daran wird er auch nun gemessen werden. Der Markt fragt sich bereits, wann eine Zinsanhebung stattfindet. Gleichzeitig sorgen die steigenden Kraftstoffpreise für weiteren Inflationsdruck. Mehr Diesel kann die Notenbank nicht einfach herbeizaubern. Was sie aber tun kann, ist die Nachfrage auszubremsen und verhindern, dass sich der Preisanstieg auf weitere Bereiche der Wirtschaft ausbreitet. Das spricht dafür, die Zinsen länger hoch zu halten oder erneut anzuheben.
🧐 Meine Meinung dazu
Viel spannender als die Frage, ob und wie hoch die Zinsen überhaupt steigen könnten, finde ich persönlich jedoch, wie gelassen der Markt zuletzt reagiert hat. Wenige Wochen zuvor sorgten kleine Hinweise auf eine mögliche Zinspause für deutliche Kursgewinne bei Gold, Silber und Krypto. Fairerweise muss man sagen, dass der Short Squeeze insbesondere bei Krypto viel Auftrieb gegeben hat. Wir haben euch ja darüber informiert. Am Freitag hätte man daher mit einer deutlichen Gegenbewegung rechnen können .Doch Pustekuchen. Der Arbeitsmarkt meldete deutlich mehr neu geschaffene Stellen und die Zahlen der beiden Vormonate wurden zudem auch noch nach oben korrigiert. An den Terminmärkten stieg daraufhin die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September. Wird es so kommen? Ich weiß es nicht. Trotzdem blieb es an den Märkten erstaunlich ruhig, der Nasdaq 100 schloss nicht einmal im Minus. Metalle und Krypto gaben auch nur leicht nach.
Diese Reaktion finde ich deshalb spannend. Ich interpretiere daraus, dass sich die meisten Anleger mit einer möglichen Zinserhöhung im September bereits arrangiert haben. Und das ist das Schöne am Markt - wir handeln immer die Zukunft.
Doch woher kommt diese Gelassenheit? Ich vermute, dass Anleger dauerhaft hohe Zinsen in den USA für politisch schwer durchsetzbar halten. Das Finanzministerium hat seine Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen ausgeweitet, was den Handel am langen Ende des Anleihemarktes stützen kann. Gleichzeitig fordert das Weiße Haus immer wieder niedrigere Zinsen und erhöht auch hier den Druck auf die Fed. Vergessen wir auch nicht, dass hohe Zinsen eine extreme Belastung für den unfassbar großen Schuldenberg der USA darstellen. Ob man dieses Vorgehen letztendlich wirtschaftlich für sinnvoll hält, kann jeder selbst für sich beurteilen. Der Markt hat die Botschaft jedenfalls verstanden.
Ich glaube, dass selbst eine Zinserhöhung im September die mittelfristige Richtung kaum verändern würde. Bei Gold, Silber, Bitcoin und den entsprechenden Aktien sehe ich für die kommenden Monate weiterhin Luft nach oben. Eine Garantie gibt es dafür natürlich nicht, auch nicht von mir ;-)
Bis nächste Woche ✌️
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