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Für diese Woche, die ansonsten eher ruhig verlaufen dürfte, richtet sich der Blick vor allem auf die Zentralbanken. Vergangenen Donnerstag hat die Europäische Zentralbank den Leitzins um 25 Basispunkte angehoben. Ob dieser Schritt sinnvoll war, darüber kann man durchaus streiten. Am Mittwoch entscheidet die Fed, am Donnerstag die Bank of England und am Freitag folgt die Bank of Japan.
Gleichzeitig bleibt der Konflikt im Iran weiter ein entscheidendes Thema. Der Ölpreis ist inzwischen auf über 100 US-Dollar je Barrel gestiegen. Schauen wir uns deshalb kurz an, was dahintersteckt und was das für die Märkte bedeuten könnte.
📉 Marktüberblick (Vorwoche)
🔹 S&P 500: -1,2 %
🔹 Nasdaq: -0,6 %
🔹 Dow Jones: -1,9 %
🔹 DAX: -1,6 %
🔸 Gold: -0,8 %
🛢️ Öl: +10%
Steigende Anleiherenditen und ein weiter anziehender Ölpreis haben die Aktienmärkte über weite Strecken der vergangenen Woche mehrheitlich belastet. Am Freitag setzte dann überraschend eine Erholung ein. Auslöser waren natürlich die frischen Inflationsdaten. Nicht etwa, weil die Zahlen gut waren. Im Gegenteil, sie fielen sogar stärker aus als erwartet. Trotzdem sorgten sie nach der vorangegangenen Unsicherheit für mehr Klarheit über einen möglichen Kurs der Notenbanken. Das hat der Markt also gebraucht. Damit war das Szenario vorerst weitgehend eingepreist. Dass Börsen auf schlechte Nachrichten positiv reagieren können, nur weil damit ein Teil der Unsicherheit vermeintlich schwindet, zeigt einmal mehr, wie paradox die Logik der Finanzmärkte am Ende des Tage dann auch ist.
🏦 Es gilt, die Glaubwürdigkeit zu beweisen
In Jackson Hole hat Kevin Warsh vor allem klargemacht, dass er die nächsten Zinsschritte der Notenbank weder ankündigen noch vorab etwas durchblicken lassen will. Trotzdem glaubt der Markt inzwischen ziemlich genau zu wissen, was kommt. Nach den Verbraucherpreisen vom Freitag ist eine Zinserhöhung am Mittwoch nahezu vollständig eingepreist.
Die Gründe dafür dürften klar sein. Die am PCE gemessene Kerninflation lag in diesem Jahr in jedem einzelnen Monat über drei Prozent und damit weiterhin deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der Fed. In Jackson Hole hat Warsh außerdem sehr deutlich über die Rolle der Fed bei der Inflationsbekämpfung gesprochen. Vergangene Woche hatte ich bereits kurz über die unterschiedlichen Mandate der Fed und der Europäischen Zentralbank gesprochen. Preisstabilität stellt sich nicht von allein ein, so Warsh. Auch die Inflation kehrt nicht zwangsläufig irgendwann von selbst in Richtung zwei Prozent zurück. Es ist ganz einfach die Aufgabe der Fed, dafür zu sorgen. Wer so argumentiert, muss irgendwann auch entsprechend handeln! Andernfalls verlieren diese Aussagen am Markt recht schnell an Bedeutung. Am Mittwoch geht es deshalb nicht nur um die inzwischen eingepreisten 25 Basispunkte. Vor allen Dingen geht es um die Glaubwürdigkeit der Fed.
Und wie geht der Aktienmarkt eigentlich damit um? Dieser ist erstaunlich gelassen. Die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen ziehen weiter an. Der Nahostkonflikt verschärft sich und die Fed steuert auf eine straffere Geldpolitik zu. Trotzdem liegen die Indizes weiterhin nur knapp unter ihren Allzeithochs. Ein wichtiger Grund, wenn nicht sogar der entscheidendste, dafür dürfte das weiterhin starke operative Umfeld sein. Das zweite Quartal fiel insgesamt robust aus. Nvidia hat die Erwartungen erneut übertroffen und Hyperscaler wie Alphabet, Amazon, Microsoft, Meta und Oracle haben ihre CapEx Ausgaben noch einmal angehoben. Solange dieser Investitionszyklus so wunderbar anhält, scheint der Markt bereit zu sein, an anderer Stelle einiges auszublenden.
🛢️ Öl über 100 Dollar
Die Ölsorte Brent hat am Mittwoch erstmals seit rund zwei Monaten wieder die Marke von 100 US-Dollar überschritten. Zu erwarten war das mit Blick auf die weitere Zuspitzung im Konflikt zwischen Washington und Teheran, der inzwischen seit 7 Monaten anhält. Das allein erklärt den Anstieg derzeit aber nicht nur.
Der Energiemarkt steht derzeit nämlich an mehreren Stellen gleichzeitig unter Druck. Im Roten Meer sind wichtige Transportwege aktuell stark beeinträchtigt, über die im Normalfall mehrere Millionen Barrel pro Tag laufen. Gleichzeitig haben ukrainische Angriffe russische Raffinerien getroffen. Russland war vor 2022 für rund zehn Prozent der weltweiten Diesel-Exporte verantwortlich.
Damit treffen nun mehrere Störfaktoren auf einen Markt, bei dem Angebot und Nachfrage immer stärker unter Spannung geraten. Genau das versucht der Ölmarkt derzeit einzupreisen. Entsprechend steigt auch der Preis.
Teureres Öl bedeutet am Ende höhere Transportkosten. Und höhere Transportkosten schlagen wiederum auf die Produktionskosten vieler Unternehmen durch.
🏗️ Firmenpleiten in Deutschland auf höchstem Niveau
Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland ist auf den höchsten Stand seit 13 Jahren gestiegen. Fast 13.000 Unternehmen meldeten Insolvenz an. Das sind 6,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders stark betroffen sind die Gastronomie, der Verkehr und das Baugewerbe. Wer sich das genauer anschauen möchte, findet hier den passenden Artikel
https://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2026-09/unternehmensinsolvenzen-statistik-glaeubigerforderungen-baugewerbe-verkehr-gxe
Ich wünsche euch eine ruhige Handelswoche ✌️
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