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Es wäre schön, wenn der Nahostkonflikt genauso positive Fortschritte machen würde wie wir hier in unserem Terminal tagtäglich. In der Nacht zum Montag haben die USA erneut Luftangriffe auf den Iran gestartet. Damit sind sämtliche Bemühungen der vergangenen Wochen um einen Frieden stark hinfällig geworden. Zum heutigen Handelsstart am Montag früh hat die Auseinandersetzung den DAX überraschend wenig bewegt. Ob sich das im Laufe des Tages oder der Woche noch ändert, werden wir weiter beobachten. Außerdem geht die Berichtssaison Q2 wieder los und starten werden hier traditionell die Banken.
Die kurzfristige Prognose für diese Woche: Konsolidierung und steigend.
📉 Marktüberblick (Vorwoche)
🔹 S&P 500: + 0,8 %
🔹 Nasdaq: + 1,6 %
🔹 Dow Jones: - 0,9 %
🔹 DAX: - 0,7 %
🔸 Gold: - 0,6 %
🛢️ Öl: + 3,1 %
Bei genauerer Betrachtung verlief die Woche differenzierter, als die Zahlen vermuten lassen. Besonders im Fokus standen Gewinnmitnahmen bei den zuletzt extrem gut gelaufenen Chipwerten - dazu gleich mehr.
⚠️ Iran-Konflikt: Zurück auf Los
Wozu die ganze diplomatische Vorarbeit der letzten Wochen, wenn am Ende doch jeder tut, was er will? Diese Frage dürften sich aktuell die meisten Marktteilnehmer stellen und entsprechend haben die Märkte aber auch reagiert. Die erneuten Luftangriffe zwischen den USA und dem Iran am Wochenende sind ein klarer Rückschritt. Von einer dauerhaften Entspannung der Lage, kann vorerst keine Rede sein.
Schlechtes Timing, also. Ausgerechnet in der Woche, in der Unternehmenszahlen und Inflationsdaten wichtige Marker setzen sollten, kehrt die geopolitische Unsicherheit als unangenehme Konstante zurück. Solange sich an der militärischen Eskalationsspirale nichts ändert, dürfte die Risikoprämie auf geopolitisch sensible Anlageklassen, wie die Chipwerte, erhöht bleiben. Auch die asiatischen Börsen spürten das, allen voran der südkoreanische Kospi. Wobei das nicht der ausschlaggebende Faktor für die Konsolidierung war. Der Konflikt lässt sich als solcher demnach nicht einfach isoliert betrachten, das dürfte klar sein. Die Zollthematik, Notenbankpolitik und eine Aktienrallye, die in Teilen bereits Bewertungsfragen aufwirft, spielen eben auch mit ein. Wie sich das im Verlauf der Woche niederschlägt, bleibt abzuwarten. Die Nervosität jedenfalls dürfte zunehmen.
🤑 Gewinnmitnahmen bei Chips, Rheinmetall als DAX-Schlusslicht
Vor dem Hintergrund der geopolitischen Eskalation lohnt sich ein Blick auf zwei Entwicklungen der vergangenen Woche. Erstens die Chipwerte. Nach einem starken Lauf der vergangenen Monate hat der Sektor nun seit Ende Juni mehrere heftige Ausverkäufe erlebt, was für sich genommen nicht ungewöhnlich ist. Die Frage ist aber auch, wann eine solche Konsolidierung in eine große Korrektur übergeht. Zum anderen war es im DAX ausgerechnet Rheinmetall, das die schwächste Performance der Vorwoche ablieferte. Hintergrund sind Vermutungen, dass künftige NATO-Investitionen stärker in Richtung Luftverteidigung fließen könnten, zulasten klassischer Landsysteme, in denen Rheinmetall stark positioniert ist. Die Börse handelt Zukunft und Erwartungen, wie wir wissen. Ein wunderbares Beispiel dafür zeigt Rheinmetall hier eindrücklich. Man kann von der Rallye, insbesondere im Rüstungssektor, der letzten Quartale halten, was man will. Dass diese nicht linear nach oben verläuft, dürfte niemanden überraschen.
🛒 Earnings & Makrodaten
Wie in der Einleitung bereits angesprochen, startet die Berichtssaison in dieser Woche. Am Dienstag legen JPMorgan, Bank of America, Goldman Sachs, Wells Fargo und die Citigroup ihre Zahlen vor. Morgan Stanley und BlackRock folgen am Mittwoch. Nach einem bereits starken ersten Quartal ist die Erwartungshaltung entsprechend hoch. Die Konsensschätzungen für die Bankenbranche zeigen für das zweite Quartal ein Gewinnwachstum von rund 10 % bei ähnlich hohem Umsatzwachstum. Reines Umsatzwachstum dürfte also kaum ausreichen, um die Erwartungen zu übertreffen. Entscheidend wird daher sein, ob die Bankhäuser auch bei der Marge abliefern, allen voran bei der Nettozinsmarge. Bleibt diese hinter den Erwartungen, drohen Enttäuschungen trotz an sich recht solider Zahlen.
Parallel dazu liefert der Dienstag mit dem Verbraucherpreisindex (CPI) einen der wichtigsten Marker des Monats. Erwartet wird ein moderater Rückgang im Monatsvergleich, nach einem soliden Anstieg von 0,5 % im Mai. Auf Jahressicht rechnen Ökonomen mit rund 3,8 %, nach zuvor 4,2 % – eine Verlangsamung also, die vor allem dem Ölpreisverfall nach dem Waffenstillstand Mitte Juni geschuldet ist, nicht einer breiten wirtschaftlichen Abkühlung. Am Mittwoch folgt mit dem Erzeugerpreisindex (PPI) das Pendant auf Großhandelsebene. Bei der Gesamtrate wird ebenfalls eine Abschwächung erwartet, bei der Kernrate ohne Nahrung und Energie dagegen eher ein weiterer Anstieg.
Sehr spannend wird dabei die Frage, wie die Fed unter ihrem noch relativ "jungen" Chef Kevin Warsh auf diese Zahlen reagiert. Aus den Sitzungsprotokollen der Juni-Sitzung geht hervor, dass die Meinungen innerhalb des Gremiums geteilter Meinung sind. Ein Teil wäre bei nachlassendem Preisdruck bereit, die Zügel etwas zu lockern, ein anderer Teil hingegen, würde bei weiter robust anhaltender Inflation eher auf eine Straffung drängen.
📆 Termine der Woche
📌 Dienstag: CPI Juni (Konsens: –0,1 % ggü. Vormonat); Banken Earnings von JPMorgan, BofA, Goldman Sachs, Wells Fargo, Citigroup, Rio Tinto und Mercedes-Benz
📌 Mittwoch: PPI Juni (Konsens: –0,1 % ggü. Vormonat); Zahlen von Morgan Stanley, BlackRock, ASML (wichtig für die Chipwerte) Johnson & Johnson und United Airlines (wichtig im Bezug auf den Ölpreis)
📌 Donnerstag: Einzelhandelsumsätze Juni (Konsens: +0,3 %); Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe; Zahlen von TSMC, Netflix, UnitedHealth und die deutsche Renk (Verteidigung)
🧐 Meine Meinung
Aus meiner Sicht ist der Verlauf in dieser Woche verhältnismäßig schwer vorauszusehen, denn wir haben unterschiedliche Narrative. Auf der positiven Seite steht zunächst die Berichtssaison an. Zumindest bei den Banken dürfte sie robust ausfallen. Auch bei den Inflationsdaten hält sich die Erwartung an größere Überraschungen in Grenzen. Eine Glaskugel habe ich natürlich nicht - ich muss mit dem arbeiten was mir das Gesamtbild derzeit liefert. Gleichzeitig verschärft sich der Iran-Konflikt weiter. Das macht eine klare Einschätzung dieser Woche aus meiner Sicht schwierig. Ich gehe davon aus, dass die geopolitische Komponente kurzfristig das dominierende Thema bleibt, ganz einfach weil sie schwerer kalkulierbar ist. Die Gewinnmitnahmen bei den Chipwerten deute ich weniger als Trendwende, sondern eher als überfällige Verschnaufpause nach einem sehr steilen Anstieg – was sich aber schnell ändern kann, wenn aus dieser Region zunehmend schlechte Nachrichten kommen.
Mein Takeaway an dieser Stelle: Die kommenden Tage liefern reichlich Daten, um die Lage weiter oder gar neu einzuordnen – nutzen wir das, statt uns von der Nachrichtenlage zu sehr unter Druck setzen zu lassen. Ich wüsche allen eine ruhige Handelswoche ✌️
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