Aschenbrenner und seine KI Wette. Was diese Woche wichtig ist
Aus privaten Gründen, gab es von mir vergangene Woche leider kein Update. Doch, was war das für eine Woche? Amazon und Microsoft meldeten Wahnsinns Zahlen und der Markt feiert das! Allen voran, weil die Konzerne mit enormem Cloud-Wachstum (AWS +37 %, Azure +43 %) beweisen konnten, dass die Milliarden-Investitionen in KI (CapEx) wohl hochprofitabel zu sein scheinen. Das Narrativ hält also weiter stand. Außerdem sprechen wir über Leopold Aschenbrenner und was dahinter steckt. Nach der wohl mit Abstand, ereignisreichsten Handelswoche des Quartals, geht die Berichtssaison erstmal weiter. Im Zuge erneuter diplomatischer Annäherungen zwischen der USA und dem Iran, gibt der Ölpreis zum Wochenstart ebenfalls kräftig nach. Besonders im Fokus sind jedoch die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag. Los gehts!
📉 Marktüberblick
🔹 S&P 500: +1,1 %
🔹 Nasdaq: -0,3 %
🔹 Dow Jones: rund +1,3 %
🔹 DAX: +1,7 %
🔸 Gold: +0,8 %
🪙 Silber: +1,9 %
🛢️ Öl: -3,5 %
Zum Wochenauftakt zeigen sich die US-Futures freundlich. S&P-500-Futures +0,5 %, Nasdaq-100-Futures +0,8 %. Der Stoxx Europe 600 gewinnt 0,4 %, angeführt von Reise- und Freizeitwerten sowie den Automobilherstellern. In Asien hingegen herrscht Druck am Markt - dazu später mehr.
🛢️ Öl gibt weiter nach
Fangen wir heute mit dem an, was wohl am deutlichsten ins Auge sticht. Brent Rohöl fällt um bis zu 7,3% auf derzeit etwa 81 US-Dollar pro Barrel. Erstaunlich simpel, aber wie sollte es anders sein, hat Trump angekündigt, dass am Montag weitere Gespräche zwischen den USA und dem Iran beginnen sollen. Der Markt rechnet folglich damit, dass es zu einer Einigung um die Straße von Hormus kommen könnte. Der inzwischen bereits sechs Monate anhaltende Konflikt hat auf der Angebotsseite eine starke Verknappung erzeugt und immer wieder weitere Inflationssorgen geschürt, die der Markt dann verarbeiten musste. Interventionen sind stets mit einem Risikoaufschlag verbunden. Verschwindet dieser, zieht das eine Preisbewegung nach sich. Und da wir durch Trumps erratische Politik immer wieder vor Augen geführt bekommen haben, dass es immer anders läuft wie geplant, sollte klar sein, dass es sich "um Gespräche" handelt aber keinesfalls über ein Abkommen.
💴 Der Yen und die USA
Nach den jüngsten Verlusten beim Yen (wir haben bereits darüber berichtet) hat Tokio nun mit massiven Milliardenkäufen am Devisenmarkt agiert, um die weitere Abwertung der eigenen Währung einzudämmen. Natürlich hat diese Intervention auch eine bedeutende Rolle für den US-Dollar. Also was ist jetzt genau passiert und worum geht's? Das japanische Finanzministerium hat am 31. Juli in Abstimmung mit dem US-Finanzministerium massiv Yen gekauft, also die eigene Währung mit Devisenreserven vom Markt genommen. Japan allein soll dabei an einem einzigen Tag rund 53 Milliarden US-Dollar bewegt haben. Wir reden hier von einem besonders hohen Betrag, den die Amerikaner so auch spüren.
Warum mischen die Amerikaner nun überhaupt mit? Und wieso ist das so wichtig für sie? Zwei Gründe. Erstens, und das ist wohl der wichtigste, ist Japan der größte ausländische Halter von US-Staatsanleihen. Würde Tokio zur Finanzierung der Interventionen in großem Stil US-Papiere verkaufen, geriete der US-Anleihenmarkt noch weiter unter Druck, als er es ohnehin schon ist. Zweitens verschafft ein schwacher Yen japanischen Exporteuren einen Wettbewerbsvorteil, an dem sich Trump seit Jahren stört. Um den Markt also nicht durch Anleiheverkäufe zu belasten, steht Tokio eine sogenannte Fed-Fazilität zur Verfügung. Statt die US-Anleihen am Markt nun zu verkaufen, werden sie bei der Fed einfach als Pfand hinterlegt. Die Fed leiht im Gegenzug einfach frisches Geld an Japan. Und jetzt der Clou an der Sache: Die Währungshüter kommen nun an frisches Geld für ihre Interventionen, ohne durch Marktverkäufe den Preis der Anleihen zu drücken oder die Zinsen nach oben zu treiben. Ein massiver Verkauf von US-Dollar am Markt schwächt den US-Dollar gegenüber dem Yen (bzw. bremst zumindest dessen Aufwertung). Demnach kann Japan täglich bis zu 60 Milliarden US-Dollar gegen hinterlegte Treasuries aufnehmen und für Interventionen nutzen. Eine Win-Win-Situation auf Zeit und ein Spiel gegen den Markt. Beide Notenbanken spielen so lange gegen den Markt, bis eine nachhaltige Angleichung der Zinsen den Druck auf den Yen dauerhaft nimmt. Denn Währungsinterventionen bekämpfen nur die Symptome. Solange die Renditedifferenz zwischen den USA und Japan bestehen bleibt, sucht sich das Kapital seinen Weg in den Dollar. Tokio und Washington kaufen sich mit dieser Aktion schlicht Zeit, um die Märkte zu beruhigen, bis die Zinspolitik beider Länder den Fundamentaldaten wieder hinterherrückt.
🚀 SpaceX veröffentlicht Quartalszahlen
In dieser Woche steht am Dienstag nun der erste Quartalsbericht von SpaceX an. Die Aktie hat seit ihrem Debüt von etwa 150 Dollar nun rund 30 % vom Kurs abgegeben und notiert etwa 50 % unter ihrem Allzeithoch. Zusätzlich läuft am 6. August die Lock-up-Periode aus, wodurch bis zu 20 % der Aktien handelbar werden und möglicherweise auf den Markt kommen. Viele Anleger fürchten, dass dieses zusätzliche Angebot den Kurs weiter belastet. Parallel treibt Musk offenbar weiter eine Fusion von SpaceX und Tesla voran. Intern beschäftigt man sich wohl mit der Frage, wie mit Teslas China-Geschäft umzugehen ist, da die engen Verbindungen nach Peking die Regierungs- und Rüstungsaufträge von SpaceX gefährden könnten.
Entscheidend wird bei SpaceX aber auch dieselbe Frage sein, die bereits die großen Hyperscaler umtreibt. Wie viel Geld fließt in die KI und wie rentabel sind diese gigantischen Investitionen am Ende tatsächlich? Weitere Zahlen aus diesem Bereich kommen ohnehin noch mehr. Palantir und ON Semiconductor am Montag, AMD am Dienstag, die Speicherhersteller Sandisk und Western Digital am Mittwoch. Also das Narrativ der enormen Ausgaben im Vergleich dazu, was man künftig damit verdienen kann. Diese Frage interessiert den Markt am meisten.
💥 Leopold Aschenbrenner just learned Wall Street's oldest lesson
Eine passendere Überschrift gibt es einfach nicht! Leopold Aschenbrenner, deutscher, ehemaliger OpenAI-Forscher, Mitte 20 und Gründer des Hedgefonds Situational Awareness, hat an der Wall Street am vergangenen Mittwoch nun eine Lehrstunde fürs Leben bekommen. Bis auf die Lehrstunde, muss man diese Wahnsinns Leistung ganz klar anerkennen! Von Investoren als Wunderkind gefeiert, baute er sein Portfolio durch extrem konzentrierte, gehebelte Wetten auf KI-Infrastruktur und Halbleiter von wenigen Hundert Millionen auf zeitweise 45 Milliarden Dollar aus. Die Gegenbewegung im Halbleitersektor führte zu Liquiditätsengpässen und Margin Calls. Nach massiven Margin Calls seiner Broker musste der Fonds den Großteil seiner Aktien im Eiltempo abstoßen und Positionen glatt stellen. Am Ende sicherte sich der Gigant Citadel das verbliebene Börsenportfolio zum Spottpreis. Ein wunderbares Beispiel dafür, wie schnell und gnadenlos der Markt Hebel und Volatilität abstraft.
Entscheidend ist jedoch, wie stark dieses Verhalten und Aschenbrenners Hebel die reinen KI-Werte am Markt mitgerissen haben. Nach dem historischen Rekord von 18 % am Freitag gibt der Kospi (Süd-Korea) heute Morgen wieder mehr als 5 % nach. Samsung und SK Hynix brechen um jeweils etwa 8 % ein. Wobei man hier fairerweise sagen muss, dass die Südkoreaner extrem gehebelt unterwegs sind. Genau das wurde den meisten bei diesem Abverkauf zum Verhängnis, weshalb der Index hier so stark volatil war oder ist. Die Margin Calls von Aschenbrenners Fonds verstärkten den Verkaufsdruck bei Titeln wie NVIDIA, Micron, SK Hynix oder Nebius drastisch und rissen den gesamten Halbleitersektor nach unten. Sobald der Markt aber wusste, dass die Positionen geordnet bei Citadel untergebracht waren, wandelte sich die starke Unsicherheit der vergangen Tage, in Erleichterung insbesondere bei den Hardware-Titeln um.
📆 Termine der Woche
Freitag außerdem: US-Arbeitsmarktbericht Juli (+88.000 erwartet, zuvor +57.000), Arbeitslosenquote (4,2 % erwartet), Stundenlöhne (+3,5 % zum Vorjahr erwartet)
Ich wünsche euch eine sonnige Woche ✌️
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